Junge.Kirche 1/2003

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

in diesem Jahr wird die Junge.Kirche 70. Anlass genug zu feiern und dankbar zu sein. Dass die Junge.Kirche bis heute erscheint, verdankt sie denen, die trotz mancher Schwierigkeiten und eines stets bescheidenen Budgets die Zeitschrift über Jahre hinaus „gemacht“ haben, ebenso denen, die sie unterstützt, Beiträge geschrieben und auf die eine oder andere Weise ehrenamtlich mitgearbeitet haben.

Siebzig Jahre sind ein Anlass, sich zu erinnern, kritisch zurückzublicken, zu analysieren und zu bewerten. So finden Sie in diesem „Jubiläumsheft“ neben historischen Texten aus sieben Jahrzehnten einführende und reflektierende Beiträge, Interviews, Porträts. Mit dem Erscheinen der ersten Ausgabe im Juni 1933, den politischen und kirchlichen Ereignissen, den Personen, die eine Zeitschrift der Bekennenden Kirche für unabdingbar hielten, beschäftigt sich der ausführliche Beitrag von Silvia Wagner, in dem sie den Weg der Junge.Kirche von der Gründung bis zu ihrer vorerst letzten Ausgabe aufzeigt. Im Mai 1941 wurde sie verboten.

Die Zeitschrift erschien nach dem Krieg wieder von 1949 an. Zwei, die nahezu ein Leben lang die Junge.Kirche begleitet, für sie und mit ihr gearbeitet haben, sind Heinz Kloppenburg und Theo Immer, die wir in diesem Heft vorstellen. Ende letzten Jahres sind Walter Kreck und Günter Reese gestorben – mutige theologische Stimmen für Gerechtigkeit und Frieden, denen die Junge.Kirche viel verdankt. Wir erinnern an sie.

Bekenntnis, Bußfertigkeit, Schuld und Vergebung, politische Verantwortung und Gehorsam, Politik und Glaube, Versöhnung und Frieden sind der rote Faden und das thematische Fundament der Zeitschrift. Wie aktuell die Bekenntnisfrage heute ist, zeigt der Aufruf Ökumenischer Bekenntnisprozess „Wirtschaft im Dienst des Lebens“, der zu Verbindlichkeit in Wort und Tat auffordert.

Wie stark sich die Junge.Kirche in den siebziger und achtziger Jahren publizistisch in die Friedensdebatte einmischte, macht Ewald Hein-Janke in seinem Beitrag deutlich. In diesem Zeitraum – so seine Meinung – entfaltete sie „ihre größte Wirkung“ in der Nachkriegsgeschichte. In Zeiten des Kalten Krieges und der Mauer haben die Abonnements die Verbindung zwischen Ost und West hergestellt und Nähe vermittelt. Über die „eine deutsche Nation“, in der sie sich fremd fühlt, über Schuld, Verstrickung und die „vereinigte Vergangenheit“, die uns einholt, schreibt Elisabeth Adler vier Jahre nach der Wende.

Doch nicht nur politische Themen kennzeichnen die Junge.Kirche. Theologische Beiträge, Bibelauslegung (sozialgeschichtlich und/oder feministisch) und Predigten sind ebenso Markenzeichen der Zeitschrift. In seinem Aufsatz „Über den Verlust der theologischen Existenz“ stellt Hans-Joachim Iwand (1953) Fragen nach Theologie, Predigt und Seelsorge und ist besorgt um deren möglichen Verfall. Friedrich-Wilhelm Marquardts Predigt zu Martin Niemöllers 100. Geburtstag und Georges Casalis’ Morgenandacht vom Mai 1968 gehören zu den Texten, die ermutigen und die Hoffnung wach halten. Gut, dass man sie immer wieder in der Junge.Kirche findet.

70 Jahre alt und sie hält sich immer noch für jung. Wie jung ist sie denn wirklich? Im Gespräch mit Ulrike Plautz erzählen Dorothee Sölle und Fulbert Steffensky von der „Tante“ Junge.Kirche, ihrer „treuen Unbeweglichkeit“, der „alten Lehrerin“ und dass sie keinen „Minirock“ braucht.

Mit herzlichen Grüßen aus Hannover
Johanna Linz