Klara Butting

„Nationen murmeln ins Leere“
Der Spiritualität des Wachstums widerstehen

Zerstörerische Wachstumsprozesse, die die Lebensgrundlagen der Gemeinschaft angreifen, stehen im Hintergrund der Sozialkritik der biblischen Prophetenbücher. Die prophetische Kritik lässt eine gespaltene Gesellschaft erkennen, in der die Einen auf Kosten der Anderen wachsen. Einige können ihren Besitz vergrößern, weil andere ihren Besitz verlieren. Es gibt Menschen, die „Haus an Haus reihen und Feld an Feld rücken“, bis sie allein als freie Grundbesitzer/innen im Lande übrig geblieben sind (Jesaja 5,8). Ihr Vorgehen ist wahrscheinlich der Form nach legal. „Alles spricht dafür, dass die Mächtigen das Schuldenrecht ausnutzen, das in der gesamten Antike immer wieder Menschen um ihren Besitz und ihre persönliche Freiheit bringt. Wer überschuldet ist und keine Aussicht mehr hat, weiteren Kredit zu bekommen, muss schließlich seinen Besitz, Mitglieder seiner Familie oder sich selbst dem Gläubiger überlassen“ (Kessler).

Im Kontext dieser sozialen Konflikte entstehen die Gesetzessammlungen, die in den 5. Büchern Mose, der Tora, überliefert sind. Akkumulation zu verhindern, ist eines ihrer zentralen Anliegen. Durch Gesetze werden die Einzelnen von dem Entscheidungszwang „Wachsen oder Untergehen“ befreit.

Die gebotene Sabbatruhe, die ausdrücklich Sklav/innen und Tiere einbezieht, begrenzt jede Art von Arbeit, bei der abhängig Beschäftigte involviert sind (2. Mose 20,8–11). Sie begrenzt die Konkurrenz um Kundschaft oder die Konkurrenz um Arbeitsplätze, die anderenfalls die Einzelnen auch am Feiertag zur Arbeit zwingen würden. Eine gesellschaftliche Einrichtung wird geschaffen, um wirtschaftliche Leistung in Lebensqualität aller umzuwandeln. Gewinn soll nicht in erster Line der Vermehrung von Reichtum dienen, sondern das gemeinschaftliche Leben von Gewalt und Verzweckung befreien. Als Begrenzung der Wachstumsspirale wird der Sabbat das Zeichen einer Wirtschaftsordnung, die den Lebensinteressen der Gemeinschaft dient. Dazu gehört ein so genanntes Sabbatjahr: eine Ackerbrache alle sieben Jahre (2. Mose 23,10 f.), das später zu einem Schuldenerlass und der Freilassung von Sklavinnen und Sklaven alle sieben Jahre erweitert wurde (5. Mose 15). Im sog. Jobeljahr alle 50 Jahre ist eine umfassende Landreform, die Rückerstattung von Grundbesitz, vorgesehen (3. Mose 25).

Die biblischen Rechtssammlungen machen deutlich, dass die Wachstumsfalle, in die Menschen hineingeraten, ein strukturelles Problem ist. Aus der Alternative „Wachsen oder Verschwinden“ können Menschen nur durch Gesetze, die die Akkumulation verhindern, befreit werden. Zugleich gehört zu gesellschaftlichen Einrichtungen wie Sabbatruhe und Sabbatjahr der politische Wille vieler Einzelner. Deshalb werden in der Präambel der Gesetzessammlung, den 10 Geboten (2. Mose 20,1–17), all diejenigen angesprochen, die für die Gestaltung der Gesellschaft Verantwortung tragen:

„Denk an den Sabbat!“ und „Giere nicht nach dem Haus deines Nächsten“, selbst wenn du es durch legale Methoden an dich bringen kannst. Leitlinien werden formuliert, die das gesellschaftliche Handeln und die Auslegung aller Gebote bestimmen sollen.

Boykott ist gefragt

In einer Situation, in der die strukturellen Sicherungen wegbrechen, geraten gerade diejenigen, die die Tora achten wollen, unter Druck. Psalm 1 entwirft dieses Szenarium und verortet als kleine Einleitungsrede des Psalters die gesammelten Gebete in den sich immer weiter verschärfenden gesellschaftlichen Gegensätzen des nachexilischen Juda. Die Konflikte, die im 8. Jahrhundert begonnen hatten, als das weitgehend egalitär strukturierte, aus gleichberechtigten Bauernfamilien bestehende Israel sich mit der Staatengründung zu einer Klassengesellschaft entwickelte, verschärfen sich im nachexilischen Juda durch die Geldwirtschaft immer mehr. Geld wird nötig, um Steuern und die Tributleistungen, die die Provinz Juda insgesamt aufbringen muss, zu bezahlen, Geld, das die kleinen Betriebe, die nur das Lebensnotwendige erwirtschaften, nicht abwerfen. Sie müssen sich bei den reichen Betrieben verschulden und am Ende steht die Selbstversklavung, weil Schulden, Zinsen und Tribut nicht aufzubringen sind. Tagelöhner/innen entstehen, Bettelarmut wächst, neben mächtigen Familien und riesigem Großgrundbesitz. Psalm 1 entwirft eine Situation, in der die Nutznießer/innen dieser Entwicklung das gesamte gesellschaftliche Leben bestimmen, während diejenigen, die den Psalter zur Hand nehmen, zum Boykott eines herrschenden Lebensstils aufgerufen werden:

„Glücklich ist die Frau, der Mann, die/der nicht geht nach dem Rat der Frevler, auf dem Weg der Sünder nicht steht, nicht beim Sitz der Gewissenlosen sitzt, sondern Lust hat an der Weisung des Ewigen, seine Weisung murmelt Tag und Nacht.“ (Psalm 1,1.2)

Verweigerung gegenüber der gesellschaftlichen Führungsriege, die in ihren Ratsversammlungen die Gesellschaft gestaltet, muss in allen alltäglichen Lebensvollzügen, im Gehen, Stehen und Sitzen, vollzogen werden. Die Tora ist offenbar nicht geltendes Recht. Der Psalm, der den Weg der Gemeinde einzig in Termen von Abgrenzung beschreiben kann, lässt befürchten, dass der Handlungsspielraum für die Durchsetzung der Tora minimal ist. In dieser Situation betont der Psalm die spirituelle Dimension der Tora. Sie ist Gegenstand einer Meditationspraxis. Die Zuwendung zur Tora zeigt sich im Murmeln ihrer Worte. Auf ihnen wird gekaut, sie werden eingeübt, was ins Lateinische übersetzt heißt „meditiert“ – so haben die Kirchenväter später das Wort „murmeln“ wiedergegeben. Die Widerstandskraft gegen das herrschende Unrecht speist sich aus dieser Spiritualität der Tora. Ihr Kauen entzieht den eigenen Körper der totalen Fremdbestimmung. Aus dieser körperlichen Übung erwächst in der Situation gesellschaftlicher Ohmacht die geistliche Disziplin, sich der Wirklichkeit, die vor Gott gilt, immer neu zu vergewissern. Denn obwohl der Wachstumszwang alle Lebensbereiche erfasst, beharrt der Psalm darauf, dass der Ruf der Ewigen zu gutem gemeinschaftlichem Leben hörbar ist und in den Entscheidungen der Einzelnen Raum gewinnen will. In dieser Gegenwelt Gottes gilt die Zusage zu wachsen denen, die an der Tora festhalten. Sie sind „wie ein Baum, an Wassergräben verpflanzt“ (V.3), fruchtbar, beständig, ein Sinnbild für lebensbejahendes Wachstum. Das Bild aus der Natur lässt offen, wie sich dieses Wachstum in den polarisierten gesellschaftlichen Prozessen realisiert. Der Psalm stellt den realen Akkumulationsprozessen eine Gegenwelt entgegen, die in der Gegenwart noch verborgen ist. Die abschließende Zusage fasst diese verborgene Wirklichkeit in den Worten zusammen:

„Die Ewige verbindet sich mit dem Weg der Bewährten, doch der Weg der Frevler verliert sich“ (V.6). Wie eine Grundmelodie durchzieht diese Verheißung den gesamten Psalter. Wer Psalmen betet, wirkt mit an einer Gegenöffentlichkeit, in der die, die nach immer mehr gieren, zur Rechenschaft gezogen werden.

Die Spiritualität zerstörerischen Wachstums

Aus Psalm 2, der gemeinsam mit dem 1. Psalm die Ouvertüre des Psalters bildet, geht hervor, dass auch die zerstörerischen Wachstumsprozesse eine Spiritualität kennen. Psalm 2 lässt eine globale Führungselite auftreten, die Kriegsrat hält gegen alle, die ihre Ungebundenheit einzuschränken versuchen. Dabei wird das hebräische Wort hagah (murmeln, meditieren) aufgegriffen, das in Psalm 1 die Torameditation bezeichnete. Diese Wortwahl deutet darauf hin, dass das Treiben der globalen Eliten mit einer eigenen Spiritualität einhergeht: „Wozu tosen die Völker, murmeln Nationen ins Leere! Könige der Erde marschieren auf, Erlauchte halten Kriegsrat gegen den Ewigen und gegen seinen Gesalbten, (indem sie sprechen): „Sprengen wir ihre Fesseln, werfen wir ihre Seile von uns!“ (V.1-3). Die letzte Zeile benennt in wörtlicher Rede das Mantra, das die globale Führungselite wiederkäut. Alle Bindungen wollen sie abschütteln. In ihrem Mund klingt das nach einem Freiheitskampf. Sie propagieren die Befreiung von Fesseln. Doch ihr Kampf richtet sich gegen Gott und seinen Messias. Die Fesseln, die sie abzuschütteln wollen, sind Gottes Lebensregeln der Solidarität!

Psalm 2 betont von Anfang an, dass ihr Ansinnen ins Leere läuft. Die angestrebte Bindungslosigkeit ist eine leere Illusion, ein Wahngebilde. Denn wir Menschen sind keine autonomen Individuen. Wir werden geboren, genährt, erzogen, begleitet, begraben. Doch unter dem Zwang, sich allein am Markt behaupten zu müssen, verfallen die Einzelnen der Wahnvorstellung, durch Anhäufung allein für sich Lebensqualität bekommen zu können. Es entsteht die Ego-Spiritualität des Wachstums – sie wird gefördert durch die aufkommende Geldwirtschaft. Denn „wer das Geld liebt, wird am Geld nicht satt“! Mit diesen Worten beschreibt der Prediger Salomo (5,9) das Problem der Geldwirtschaft, aber eben auch ihrer Spiritualität. Er bringt zum Ausdruck, „dass es für den Besitz von Geld keinen natürlichen Sättigungsgrad gibt. Bei Gebrauchsgegenständen, in deren Besitz sich bis dahin Reichtum ausdrückt, gibt es natürliche Obergrenzen, jenseits derer Vermehrung keinen Sinn mehr hat. Geld dagegen ist wegen des abstrakten Werts, den es verkörpert, seinem Wesen nach grenzenlos“ (Kessler 2006, 177). Mit Blick auf das Geld verkennen die Einzelnen ihre Begrenztheit und Abhängigkeit von gegenseitiger Solidarität als ihrer Lebensquelle. Entfesselt von allen Bindungen geht ihr Treiben ins Leere. Sie zerstören ihre eigenen Lebensgrundlagen und letztendlich sich selbst.

Der Körper des Messias

Glaubenstradition, die sich von Anfang an gegen die zerstörerischen Wirkungen unbegrenzter Akkumulationsprozesse richtet, in einem Bild zusammen:

Gott verlacht die Egomanen und stellt ihrer Habgier seinen König auf dem Zion, den Messias (den Christus), entgegen, von dem universale Befreiung erwartet wird. Bei dieser Rede vom Messias steht den Dichter/innen keine historische Königsfigur vor Augen. Selbst wenn dem 2. Psalm ein altes Königslied zugrunde liegen sollte, war für die Frauen und Männer, die mit den beiden eng verzahnten Psalmen 1 und 2 eine Einleitung des Psalters geschaffen haben, das Königtum ein Phänomen der Vergangenheit. Es war mit der Zerstörung Jerusalems 586 v. Chr. untergegangen. Die Lebensrealität ihrer Gegenwart wird in Psalm 1 skizziert: Sie ist geprägt von Fremdbestimmung, die das ganze Leben erfasst. In dieser Situation ist der Messias eine Figur der Hoffnung, Garant der Grenze, die Gott der entfesselten Gewalt unbegrenzten Wachstums setzt, Symbol der Befreiung der verelendeten Menschen. Gestalt gewinnt diese messianische Figur in der Gemeinde. So jedenfalls behauptet der Psalm 149, der zum Abschluss des Psalters die Gemeinde zum Gotteslob auffordert und als Begründung seiner Aufforderung die Wirkmacht des Lobes beschreibt. Der Lobpreis hat die Kraft eines „zweischneidigen Schwertes“. Er ist mächtig, „um an den Völkern Vergeltung zu üben, an den Nationen Zurechtweisung, um ihre Könige mit Ketten zu fesseln, ihre Schönen mit eisernen Banden, um an ihnen Recht zu vollziehen, wie geschrieben steht“ (149,5–9).

Trotz der Verwendung militaristischer Bilder ist nicht von einem Krieg der Gemeinde gegen ihre Unterdrücker die Rede (Zenger 1997, 58). Vielmehr wird im Rückblick auf den Psalter die geistige Macht des Lobpreises und damit des gesamten Psalmenbuches, das in der Hebräischen Bibel unter der Überschrift „Lobpreisungen“ steht, in Worte gefasst. Dabei sind die Bilder des 149sten Psalms voller Reminiszenzen an Psalm 2. Die Subjekte aus dem 2. Psalm, „Völker, Nationen, Könige“, die den Aufstand gegen Gott proben, tauchen in gleicher Reihenfolge wieder auf. Auch das Wort „Fesseln“ begegnet erneut. Die Fesseln des Rechts, die die globalen Eliten im 2. Psalm loswerden wollen, werden ihnen durch das Loblied der Gemeinde angelegt. Damit behauptet Psalm 149, dass die Psalmen betende Gemeinde das Werk des Messias vollbringt. Die Worte der Gemeinde, die Gottes Welt ankündigen, zwingen die Eliten zum Innehalten und binden sie an die Menschenrechte, die in Israel überliefert werden – bis schließlich der Psalter mit den Worten „Aller Atem preise Ihn! Preiset Ihn!“ endet (150,6).

Die Begrenzung des Wachstums

Die Eckpsalmen 1–2 und 149–150 sind wie „zwei Portale“, die alle, die Psalmen beten, durchschreiten müssen (Zenger 1997,40). Sie stellen die einzelnen Psalmen in den Horizont einer globalen Auseinandersetzung um die Geltung der in Israel über lieferten Lebensregeln der Solidarität. Die Frage, die mit dem 1. Psalm im Raum steht, wie im Kontext zerstörerischer Akkumulationsprozesse sich Leben förderndes Wachstum durchsetzen kann, wird den Betenden für ihre Lektüre der einzelnen Psalmen mitgegeben. Wenn wir mit dieser Frage anfangen zu lesen, stoßen wir gleich im 3. Psalm auf einen Aspekt, der bei der Begrenzung der entfesselten Wachstumsprozesse eine wichtige Rolle spielt.

Der Ausgangspunkt ist Isolation. Der oder die hier betet, schreit heraus, dass sie sich allein einer feindlichen Umwelt ausgeliefert sieht: „DU, warum sind es so viele, die mich bedrängen? Viele stehen auf gegen mich. Viele sagen über mein Leben: Das wird nie von Gott befreit“ (3,2–3). Zugleich eröffnet der Psalm einen Ausweg aus der Selbstwahrnehmung von Isolation und Einsamkeit. Durch die Überschrift „Ein Psalm. Von David. Als er auf der Flucht vor seinem Sohn Absalom war“ (3,1) werden die Betenden mit der Geschichte Davids verknüpft. Diese Verknüpfung ist kein Einzelfall. 73 der 150 Psalmen werden mit David in Verbindung gebracht. Diese Zuschreibung zu David gibt keine Auskunft über die historischen Wurzeln eines Psalms. Davids Name soll vielmehr die kurze Zeitspanne in Erinnerung rufen, in der Israel eine nationale und soziale Einheit war. Sein Name steht für die Hoffnung, dass Israel als nationale und solidarische Einheit kein Hirngespinst ist, sondern gutes Zusammenleben trotz aller Konflikte in Zeit und Raum gestaltet werden kann. An menschlichen Fehlentscheidungen ist dieses Zusammenleben gescheitert – auch für diese Einsicht steht Davids Name, zumal wenn er im Kontext des Absalomaufstandes auftaucht, eines Bürgerkrieges, der durch Davids mangelnde Rechtsprechung entstanden ist und in dessen Verlauf David durch eigene Machtinteressen ein erstes Auseinanderbrechen der gewonnenen Einheit Israels in Nord und Süd heraufbeschwor.

Mit Gestaltbarkeit von Gemeinschaft sollen sich die Betenden auseinandersetzen, die in Isolation und Bedrängnis im Psalter nach Worten suchen und dort auf David gestoßen werden. Wie Psalm 3 sind die meisten dieser Davidpsalmen Klagen. Gerade da, wo isolierte, bedrängte Menschen sich zu Wort melden, wird die Verbindung mit David hergestellt. Die vereinzelten Menschen werden zu einer das eigene Ich transzendierenden Wirklichkeit geführt, in der sie sich als Teil einer Gemeinschaft erfahren. Denn gerade im Elend sind Menschen gefährdet, der Ego-Spiritualität isolierter Marktteilnehmer/innen zu verfallen. Das Leben fängt an, sich nur noch um mich zu drehen, meine Wut, meine Not, mein Unvermögen, meine Bedürfnisse, mein Wollen. Durch erlittene Unsolidarität wird die innere Widertandskraft gegenüber dem Trugbild des autonomen Individuums, das sich in der Welt alleine durchsetzen muss, angefressen.

Deshalb eröffnet der Psalter mit der Klage die mystische Erfahrung der Verbundenheit, die gegenwärtig viele als Gegenerfahrung zu der zunehmenden Individualisierung herbeisehnen. In Psalm 3 lässt sich beobachten, wie sich dieser Weg heraus aus der Isolation im Laufe des Betens vollzieht. Am Anfang tauchen andere Menschen nur als Gegner auf. Die „Menge des Volkes“ ist in diesem Psalm ein Angstfaktor, der überwunden werden muss (V. 7).

Trotzdem fleht der/die Betende am Ende nicht allein um die eigene Befreiung, sondern fühlt sich auch in seiner Not dem Volk zugehörig, ja sogar verantwortlich. Der Psalm schließt mit der Bitte:

„Dein Segen komme über dein Volk“ (6,9).

Die Programmatik des Psalters, die der Rahmen 1–2 und 149–150 setzt, wird in Psalm 3 durchbuchstabiert: Wer den Psalter zur Hand nimmt, entdeckt die eigene messianische Kraft und übt sie ein. Auch wenn die eigenen Handlungsspielräume durch die politische Situation, durch Verelendung oder Krankheit minimiert wurden, finden die Betenden eine Sprache, sich als Menschen wahrzunehmen, die an den Prozessen aktiv beteiligt sind, in denen wir entscheiden, in welcher Gesellschaft wir leben wollen.

Klara Butting
arbeitet als Theologin und Autorin und ist Mitherausgeberin der Jungen Kirche

Literatur:
Ulrich Duchrow, Die Religion und das Geld. Damit nicht zur zählt, was sich rechnet: Buddhismus, Christentum und Islam kritisieren die kapitalistische Wirtschaft, in: „Geld und Gewissen“, W. Kessler (Hg.), Oberursel 2010.

Rainer Kessler, „Du sollst nicht begehren …“ Kleine biblische Sozialgeschichte der Gier, in: Armes reiches Deutschland. Jahrbuch Gerechtigkeit I, Frankfurt, Oberursel 2005, 63–68.

Rainer Kessler, Sozialgeschichte des alten Israel. Eine Einführung, Darmstadt 2006.

Erich Zenger, Die Nacht wird leuchten wie der Tag. Psalmenauslegungen, Freiburg, Basel, Wien 1997.


Klara Butting