Fernando Enns

Auf dem Weg zu einer ökumenischen Theologie des
gerechten Friedens

„So oft die Kirche Christi in ihrer Geschichte zu einem neuen Verständnis ihres Wesens kam, hat sie eine neue, diesem ihrem Selbstverständnis angemessene Theologie hervorgebracht. Eine Wendung des kirchlichen Selbstverständnisses erweist sich als echt dadurch, dass sie eine Theologie hervorbringt.
Denn Theologie ist die Selbstvergewisserung der Kirche über ihr eigenes Wesen auf Grund ihres Verständnisses der Offenbarung Gottes in Christus, und diese Selbstverständigung setzt notwendig immer dort ein, wo eine neue Wendung im kirchlichen Selbstverständnis vorliegt.“
Dietrich Bonhoeffer formuliert mit diesen Eingangsgedanken die Forderung nach einer theologischen Begründung der Weltbundarbeit auf der internationalen Jugend-Friedenskonferenz in Ciernohorské Kúpele/Tschechoslowakei 1932. Seine These ist so einfach wie bestechend: beginnen die Kirchen tatsächlich ein neues ökumenisches Selbstverständnis zu entwickeln, dann muss und wird sich dies in einer neuen Theologie niederschlagen. Bliebe diese neue Theologie aber aus, so ließe dies auf ein Fehlen dieser Wendung hin zu einem neuen Selbstverständnis als Kirchen der Ökumene schließen. Bonhoeffer
war sich sicher: erst die Theologie als reflektierte Selbstvergewisserung einer neuen Praxis kirchlichen Handelns wäre Beleg für die tiefgreifende
Umorientierung von eher national ausgerichteten Kirchentümern hin zur wahrhaftigen Katholizität der Kirche.

Abschluss der Dekade zur Überwindung von Gewalt

Großereignis, auf das viele mit Hoffnungen und großen Erwartungen blicken: die „Internationale ökumenische Friedenskonvokation“ 2011 in Kingston/Jamaika, wie von der letzten (IX.) Vollversammlung des ÖRK in Porto Alegre/Brasilien 2006 beschlossen. Auch die Friedenskonvokation markiert nicht zuerst einen Anfang, sondern wird sich als wichtige Wegmarke einreihen in den langen Strom des ökumenischen Handelns und Nachdenkens über Möglichkeiten der gewaltfreien Konfliktlösung und des Einsatzes für Gerechtigkeit für
alle.
Unmittelbar inspiriert ist sie von der ökumenischen „Dekade zur Überwindung von Gewalt – Kirchen für Frieden und Versöhnung 2001–2010“ und bringt diese offiziell zum Abschluss. Zehn
Jahre lang haben Kirchen auf der ganzen Welt – oft gemeinsam mit Partnern aus anderen Religionen oder auch aus dem säkularen Bereich – neue Friedensinitiativen gestartet, Arbeitsstellen zur gewaltfreien
Konfliktlösung aufgebaut, bestehende Programme zur Gewaltprävention verstärkt, Initiativen zur Beförderung gerechterer Verhältnisse intensiviert – und theologische und ethische Reflexionen darüber angestellt, was es heißt, Kirchen des (gerechten) Friedens zu werden.
Nationale und regionale Kirchenräte sowie der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) haben vor allem als Foren des Austausches und der gegenseitigen Stärkung und Ermutigung gedient: Erfahrungen
konnten so geteilt werden, neue Kreativität in der Friedens- und Gerechtigkeitsarbeit ist aufgekeimt, Solidarität in schier ausweglosen Gewaltverstrickungen wurde gelebt, Heilungs- und Versöhnungsprozesse
sind eingeleitet worden. Vor allem in den letzten Jahren seit der IX. Vollversammlung haben die internationalen Besuchsteams („Living Letters“) die ökumenische, die globale Dimension der Dekade-Aktivitäten sichtbar werden lassen. Zahlreiche „Expertenkosultationen“ haben zu einer vertieften Wahrnehmung, einem Austausch und Verständnis über die kontextuell unterschiedlich gewichteten Herausforderungen des Friedens und der Gerechtigkeit geführt.
Erkennen manche Kirchen im Pazifik den für sie bereits lebensbedrohenden Klimawandel als Gefahren- und Gewaltpotential an, so sind manche Kirchen in Afrika primär um eine gerechte Grundversorgung ihrer Bevölkerungen besorgt. Kirchen in Lateinamerika mögen die tägliche Bedrohung durch organisierte Kriminalität als Fokus nennen, während Kirchen in Westeuropa und Nordamerika die verhängnisvolle Verstrickung in einen „Krieg gegen den Terror“ zunehmend erkennen. In den thematisch ausdifferenzierten Expertenkonsultationen wurde allerdings rasch deutlich, wie stark der jeweils konkrete, lokale Kontext zu berücksichtigen ist. Erst dann wird erkennbar, wie sehr auch Armut (und Reichtum) in Westeuropa, militärische Bedrohungen in Asien, interreligiöse Auseinandersetzungen
in Afrika oder Rassismus im Pazifik zu Anfragen an das Selbstverständnis der jeweiligen Kirchen sowie der ökumenischen Gemeinschaft als Ganze werden.
Die Erforschung und Bewährung gewaltfreier Konfliktprävention und -bewältigung, zivile Formen des Konfliktmanagments und die Ausbildung
von zivilen Friedensdiensten, sowie aktive Versöhnungsarbeit nach erfolgter Gewaltanwendung wird von manchen Kirchen jetzt zielstrebiger angegangen.
Allmählich werden sich die Kirchen ihrer Verantwortung bewusst, gewaltfreie Alternativen bereitstellen zu müssen, wenn ihr Aufruf zur Gewaltüberwindung glaubwürdig sein will. Es genügt nicht, sich auf allgemeine Forderungen an die Weltgemeinschaft nach international verbindlicher Rechtstaatlichkeit und Durchsetzung der allgemeinen
Menschenrechte zu beschränken. Dies muss für die Kirchen ohnehin selbstverständlich sein. Die in zehn Jahren gewonnene Erfahrung,
Netzwerkbildung und gemeinsame Reflektion soll während der Friedenskonvokation sichtbar und spürbar werden.
Es soll gefeiert werden – mit Dank und Lob, dass die Kirchen sich zu diesem Weg verpflichtet haben und ihn gemeinsam gegangen sind. Es wird aber auch eine Zeit des Schuld-Bekennens und der Buße werden für all das, was nicht erreicht werden konnte: wo die Kirchen kläglich versagt haben, wo sie selbst in Gewalt verstrickt blieben und sich hinter „dicken Kirchenmauern“ verschanzten, wo sie ihren vollmundigen Selbstverpflichtungen nicht nachkamen.

ÖRK-Vollversammlung 2013

Die Versammlung will nicht nur ein „Erntedankfest“ der Dekade sein, sie beanspruchteine „ökumenische Theologie des gerechten Friedens“ zu entwickeln, „die für das Selbstverständnis der Kirche sowie die christliche
Spiritualität und Praxis zentrale Bedeutung gewinnt“. Die Friedenskonvokation soll die Weichenstellung vornehmen „für kirchliches und ökumenisches Handeln für den gerechten Frieden, in Vorbereitung auf die ÖRK-Vollversammlung 2013“ in Busan/Südkorea.
Ja, sie soll gar „eine neue Vision der ökumenischen Einheit für unserer Zeit“ einfangen.
Damit ist nicht weniger formuliert, als was auch Bonhoeffer 1932 vom Weltbund forderte: die Entwicklung einer Theologie, durch die ein neues Selbstverständnis der Kirche als ökumenische Gemeinschaft sichtbar
wird.
Während der vorigen ÖRK-Vollversammlung zur Halbzeit der Dekade beschlossen die Delegierten bereits die Entwicklung einer „ökumenischen Erklärung zum gerechten Frieden“. Der erste Entwurf wurde durch eine
international zusammengesetzte Expert/ innen-Gruppe erarbeitet und allen Kirchen zur Diskussion und Kommentierung zugeleitet.
Nachdem zahlreiche Reaktionen eingegangen waren, machte sich nun eine zweite Gruppe daran, alle eingegangenen Anregungen zu diskutieren.
Im Laufe dieses Prozesses entstand ein neues Format: zum ersten ist nun eine kürzere, konzentrierte Erklärung zum Gerechten Frieden entworfen, die dem Zentralausschuss des ÖRK zur Beratung und möglichen Beschlussfassung vorgelegt wird. Zum zweiten wird parallel von der gleichen Gruppe ein die Erklärung begleitendes Studiendokument erarbeitet, das sehr viel umfangreicher theologische und ethische Überlegungen vorlegt, Vorschläge zur Weiterarbeit unterbreitet sowie Beispiele gelingender Friedensarbeit (good practices) darstellt.


Kenia: Niedergebrannte Häuser und verlassene Geschäfte sind eine Normalität in„Rift Valley“. Die Folge ist ein Zusammenbruch des Tourismus und des Exports.

Vorüberlegungen zu einer ökumenischen Theologie des Gerechten Friedens

a. Der Schalom Gottes

Im Laufe der Jahre haben wir Kirchen der ökumenischen Gemeinschaft gelernt, im Blick auf unsere gemeinsamen Wurzeln mit unseren jüdischen Glaubensgeschwistern Frieden nicht auf die Abwesenheit von Krieg
zu reduzieren. Das wäre ein zu eng gefasster, „negativer Friedensbegriff“. Das alttestamentliche schalom meint mehr: „Vollkommenheit,
Stabilität, Wohlstand, Frieden. Schalom ist ein breiter Begriff, der Gerechtigkeit (mishpat), Barmherzigkeit, Rechtlichkeit (tsdeq – oder tsedaqah), Mitleiden/Compassion (hesed) und Wahrhaftigkeit (emet) einschließt.
Ein Ganzsein, Heilsein, Wohlsein, das der Gerechtigkeit entspringt: Befreiung von Unterdrückung und Recht auch für die Rechtlosen, die Armen und Fremden. Kurz, Schalom meint gelingendes Leben in lebensfördernden Beziehungen, zwischen Gott und Mensch, zwischen Menschen und innerhalb der gesamten Schöpfung.
Gewalt ist die Verneinung dieser Beziehungen. Während der Dekade zur Überwindung von Gewalt haben wir gemeinsam gelernt, Gewalt – als Gegenbegriff zu Schalom – in ähnlicher Weite zu verstehen. Diese Weite
ist immer wieder kritisiert worden. Zu Unrecht, wie ich meine, denn die Komplexität der real existierenden Gewaltkontexte, in denen wir uns wiederfinden und denen wir uns stellen wollten und wollen, erlaubt gerade
nicht jene eng gefasste Definition zugunsten einer leichteren Eingrenzung und damit Bewältigung der Gewaltphänomene. Es war richtig – weil realitätsnah –, den Gewaltbegriff entsprechend auch theologisch weit zu
fassen: Gewalt (im Sinne von violence, nicht force oder power) umfasst:
– physische oder psychische Akte der Verleugnung,
Verletzung oder Zerstörung der Personhaftigkeit eines Menschen – seines
freien Willens, seiner Integrität, seiner Würde – also seiner Gott Ebenbildlichkeit und seiner Rechtfertigung;
– die Verleugnung der Gemeinschaft, die Gott durch Schöpfung, Versöhnung und Vollendung schafft, durch die gerechte Beziehungen zwischen Menschen möglich werden;
– die Verletzung oder Zerstörung der Natur, die Leugnung, sie als Gabe Gottes zu respektieren und als „Gottes Haushalt“ zu verwalten.
Solche Gewalt kann sich in direkten Handlungen äußern, aber auch in ungerechten Strukturen, wie der ökonomischen Diskriminierung, oder in kulturellen Prägungen, wie der Benachteiligung oder gar Unterdrückung von Frauen.


Kenia: Menschen, die Hab und Gut verloren haben, feiern Gottesdienst in einem Flüchtlingslager bei Limuru am Rande Nairobis.
© Juan Michel/WCC

b. Gott in Beziehung

Der trinitarische Ansatz in der Erklärung hilft zu erkennen, dass der Gott Abrahams und Sarahs, der Gott, der Israel aus dem Sklavenhaus befreit, auch der Gott ist, der in Jesus Christus Mensch geworden ist und der fortan mit seinem lebensfördernden Geist dieser gewaltvollen Welt ein-wohnt (schechina), um sie von Gewalt (auch in Form von Ungerechtigkeit)
zu befreien und so zu vollenden – nicht allein die Christen, sondern auch die Schwesterreligionen, nicht allein die Menschen, sondern die
Schöpfung insgesamt.
Der christliche Glaube vertraut nicht einem statischen Gottesbild, sondern einem dynamischen, das von der großen Liebes-Bewegung der göttlichen
Gemeinschaft geprägt ist. Entscheidend ist nun nicht, dass mit der Trinität ein Modell von Gemeinschaft konstruiert wäre, welches die Kirchengemeinschaft entsprechend abbilden soll, sondern die elementare Glaubenserkenntnis ist, dass wir – in und durch Christus – teilhaben an dieser Gottesgemeinschaft. Gott selbst ist Gemeinschaft und setzt sich in Beziehung, indem der die Teilhabe an dieser gewährt, so die trinitätstheologische Erkenntnis. Damit ist dann auch gesagt, inwiefern
es überhaupt legitim ist, dass die Kirche den verheißenen, gerechten Frieden Gottes nicht tatenlos herbei sehnt, sondern sich tatsächlich
auch mit aller Kraft für dessen Verwirklichung einsetzt.
Die Vollendung des Reiches Gottes bleibt Werk Gottes, aber durch die Ermöglichung der Partizipation an der sozialen Liebesgemeinschaft
Gottes (der Trinität) ist die Kirche, sind die Glaubenden mit hineingenommen in die Auferbauung des Schalom, weil sie von Gewalt befreit handeln können.

c. Selbstverständnis als Kirche(n) des Gerechten Friedens

Von hier aus ergeben sich dann erst das Selbstverständnis als Kirche des Gerechten Friedens sowie die angemessene Perspektive auf die Gewalt-Realitäten dieser Welt, ihrer (Erlösungs-) Versöhnungsbedürftigkeiten
und -möglichkeiten. Denn das Bruchstückhafte, das Vorläufige des Reiches Gottes führt dann nicht dazu, dass Menschen sich mit den
Gewalt- und Unrechtsverhältnissen abfinden, sondern ermutigt sie im Gegenteil, die scheinbar unüberwindbaren Verhältnisse nicht als letzte Antwort des Lebens zu akzeptieren. Sie haben eine Ahnung davon, was Unrecht ist. Sie wissen von einer Welt, wie Gott sie will – und dass sie bereits jetzt daran teilhaben. Dies war die Legitimation des Titels der Dekade „zur Überwindung von Gewalt“. Es sollte keine Dekade sein für „ein bisschen Frieden“. Es sollte die Aufforderung des Paulus
ernst genommen werden: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem“ (Römer 12,21). Das bedeutet, das Böse in all seiner Hässlichkeit so ernst zu nehmen und so realistisch einzuschätzen wie möglich, sich davon aber nicht in Besitz nehmen zu lassen, sondern von der Begrenztheit seiner Macht zu wissen, weil eine andere Realität – der Gerechte Frieden Gottes – mitten in dieser Welt präsent bleibt, durch den Christus praesens, den Heiligen Geist.

d. Heiligung des Lebens

Durch das Versöhnungsgeschehen in Christus, die erneute Inbeziehungsetzung Gottes zu seiner Schöpfung, sind beide Dimensionen, das Geschenk der Versöhnung und der Dienst der Versöhnung, nicht voneinander zu trennen. Die Kirche glaubt und bekennt, dass Gott in Christus die Beziehung zwischen sich und uns erneuert, zu Recht gebracht
hat, ein für allemal, unzerstörbar. Wir sind gerechtfertigt und also befreit zu einem Leben in gerechten Beziehungen. Kein Mensch kann demnach
auf seine Taten reduziert werden, sondern bleibt – auch wenn seine Gewalt-Taten zu verurteilen sind – vor Gott gerechtfertigt. Dies ist, neben der in Gottebenbildlichkeit Geschaffenheit von Mann oder Frau, die theologische Letztbegründung für die Unverfügbarkeit der Menschenwürde. Für Christen gründet der unbedingte Einsatz für den
Schutz der Menschenrechte nicht primär in einer humanistischen Idee individueller Freiheit, sondern in eben diesen Glaubensüberzeugungen, die wir in der ökumenischen Gemeinschaft teilen. So sehen wir das Leben selbst als „geheiligt“ an, oft noch gebrochen, aber in der Zuversicht, dass Gottes guter Geist diese Heiligung vollenden wird. Wir sind „berufen“, unser Leben entsprechend dieser Heiligkeit zu gestalten (1. Petrus 1,15-16). Und deshalb ist die Kirche mit der Reflexion des Handelns für den Gerechten Friedens bei ihrem, ist auch der ÖRK bei seinem ureigensten Geschäft, dem Amt der Versöhnung (2. Korinther 5) – und dann auch
erst ganz in der Welt.

Die Friedenskonvokation als kairos der ökumenischen Bewegung

Das Treffen in Kingston darf nicht zu einem kostspieligen Aktionismus verleiten, oder noch unnötiger: in eine Flut von erneuten, gut gemeinten Absichtserklärungen und moralischen Appellen kirchenleitender
Persönlichkeiten führen. Längerfristig entscheidend ist etwas ganz anderes: Werden die Kirchen der Ökumene die Friedenskonvokation
tatsächlich dazu nutzen, im Anschluss an die Dekade zur Überwindung von Gewalt einen Prozess in Gang zu setzen, in dem sie theologisch reflektiert
Rechenschaft ablegen „über ihr eigenes Wesen auf Grund ihres Verständnisses der Offenbarung Gottes in Christus“, jede Kirche und Konfession für Friedenskirchen), wie in ökumenischer Gemeinschaft?
Erst diese Selbstverständigung wäre – mit Bonhoeffer – Beleg für eine „neue Wendung im kirchlichen Selbstverständnis“, hin zu einer Kirche,
einer Ökumene des Gerechten Friedens. Das ist noch nicht ausgemacht. „Gelingt ihr das nicht, so wird das ein Beweis dafür sein, daß sie nichts ist
als eine zeitgemäße kirchliche Zweckorganisation.
Von einer solchen verlangt man keine Theologie, sondern nur ein ganz bestimmtes konkretes Handeln in einer konkreten Aufgabe.“ Die internationaleökumenische Friedenskonvokation 2011 markiert den kairos, das herauszufinden.

Barmherziger Gott

Wir sprechen von Liebe und tragen Mitschuld an Gewalt
Wir rufen nach Gerechtigkeit und sind in Unrecht verstrickt
Wir fordern die Wahrheit und finden uns mit einer Lüge ab
Wir hoffen auf Frieden und versäumen, ihn vorzuleben

Friedefürst
Du hast die Sünde der Welt auf dich genommen
Du hast die Gewalt der Menschen erlitten
Du hast dich dem Unrecht der Mächtigen entgegengestellt
Und der Macht des Todes getrotzt.

Schöpfergeist
Schenke uns den Mut und die Kraft
In der Liebe wahrhaftig zu sein
Nach Gerechtigkeit und Frieden zu streben
Und barmherzig zu sein, wie du es bist.

Amen


Fernando Enns
Inhaber der Stiftungsdozentur und Leiter der Arbeitsstelle

Theologie der Friedenskirchen, Universität Hamburg
1 Gekürzter Beitrag – erscheint in voller Länge in: Ökumenische
Rundschau 1/2011.
2 Dietrich Bonhoeffer, Zur theologischen Begründung der Weltbundarbeit,
DBW 11, hg. von Eberhard Amelung / Christoph
Strohm, 327–344, 327f.
3 Vgl. hierzu die ausführliche Darstellung der Entwicklung in:
Fernando Enns, „Ehre sei Gott – und Friede auf Erden“. Das
Ringen der Gemeinschaft der Kirchen um friedensethische
Positionen (gemeinsam mit Stephan von Twardowski); in:
Hans-Georg Link und Geiko Müller-Fahrenholz, Hoffnungswege.
Wegweisende Impulse des Ökumenischen Rates der
Kirchen aus sechs Jahrzehnten, Frankfurt/M: Lembeck 2008,
348–377.
4 Vgl. die Dokumentation dieser internationalen ökumenischen
Besuchsteams unter http://www.overcomingviolence.org/
en/iepc/living-letters-visits.html [01.03.2010]
5 Bonhoeffer, a.a.O., 328.
6 Gebet aus: Die Wahrheit sagen über uns und die Welt. Eine
Arbeitshilfe zur Unterstützung Einzelner und Kirchen, gemeinsam
innezuhalten und zu handeln, während die 2001-
2010 Dekade zur Überwindung von Gewalt – Kirchen für
Frieden und Versöhnung auf der Internationalen ökumenischen
Friedenskonvokation gefeiert wird. Genf: Ökumenischer
Rat der Kirchen 2010, 34.